Geschichten aus der Dose

1 – Die Wahrheitsmaschine

Trommelwirbel! Hier kommt Geschichten aus der Dose Episode I – The Phantom… äh… Die Wahrheitsmaschine. Diesmal ist es wirklich eine richtig echte Folge. Vermutlich ist alles noch etwas holprig, denn dies ist mein erstes Podcast-Projekt. Ich durfte mich neben der Produktion von Inhalt daher auch noch mit der Technik beschäftigen. Umso wichtiger ist es, dass ihr mir mitteilt, wenn euch etwas falsch vorkommt, ihr Wünsche oder Kritik bezüglich akustischer (Podcast!) oder optischer (Blog!) Aspekte habt, oder aber die Geschichte so beschissen findet, dass ihr nie wieder eine Episode anhören werdet, egal wie gut die beiden anderen Hörer sie finden werden (ich hoffe es sind schon 3).

Jedenfalls hoffe ich mit dieser Episode etwa 10 Minuten Unterhaltung zwischen diversen Ohren generiert zu haben.


Die Wahrheitsmaschine

Es begab sich im Lande Transsilvanien, im Jahre des Herrn 1849, dass ein findiger Wissenschaftler eine großartige Entdeckung machte, welche der Welt einen unvorhergesehenen Wandel bescheren sollte. Der Wissenschaftler, ein Professor einer renommierten rumänischen Akademie, hatte seine Forschungen, die zur Entwicklung seines Meisterstücks führten, im Verborgenen absolvieren müssen. Die anderen Wissenschaftler an der Universität, allen voran der überalterte Rat, hätten seine Untersuchungen niemals hinter ihren Mauern toleriert. Als er sein Werk vollbracht hatte, seufzte und frohlockte er und schickte nach seinem Dienstboten, während ein Unwetter aus der Ferne heraufzog: „Igor, bringe er mir einen Bewohner des nahen Dorfes, auf dass er seiner alten Lehensfamilie einen letzten Dienst erweise. Verspreche er ihm Gold und was nötig ist. Stelle er sicher, dass der Bewohner bei guter Gesundheit die Tore passiere.”

Und Igor tat wie ihm befohlen, wenngleich der Donner des neuerlichen Gewitters grollte und die Blitze gleich den Fingern heidnischer Gottheiten nach ihm fassten um ihn in der Ausübung seiner Pflicht zu behindern. Doch einem treuen Diener auf einer couragierten Stute können selbst vergessene Götter kein Einhalt gebieten. So kam es, dass Igor mit einem Exemplar der menschlichen Zunft zu seinem Meister zurückkehrte, das dieser Bezeichnung wahrlich würdig gewesen war. Ein kräftiger gesunder Mann von wenigen Jahren stand vor dem Wissenschaftler. „Igor! Abermals hast du ein gutes Auge bewiesen! Nun wasche diesen Dörfling und kleide ihn entsprechend seines Zweckes.” Und als der Bursche dem Wissenschaftler wieder unter die Augen trat, trug er nur mehr einen luftigen Kittel, der so weiss war, wie die Kalkmischung, derer sich die Bauern bedienten um ihre Häuser zu weissen. Wortlos wurde der zitternde Gast auf einen hölzernen Sitz gewiesen, auf den Igor ihn mit dicken Lederriemen an Armen und Beinen festband. Der Professor aber trat mit einer martialischen Apparatur an den Stuhl heran und befestigte sie am Kopfe seines Testobjekts. Mithilfe seiner großen, aber mit filigranen Fingern besetzten Hände straffte er die Riemen, die seine Erfindung mit dem Kopfe des Bauern verbanden, exakt auf das gewünschte Maß. Und sowie er von seinem Werk zurücktrat, ward er von ungeheuerlicher Ehrfurcht erfüllt, denn er spürte, dass die Gerätschaft längst seine Aufgabe verrichtete. „Igor!” sprach er „Den Apfel und die Birne!” Der Diener trug die beiden Früchte vom Tisch herbei und übergab sie seinem Meister. Dieser stellte sich vor den Dorfbewohner, der auf den ersten Blick unverändert zu sein schien. Der Wissenschaftler, je eine Frucht in jeder Hand, sprach: „Dies ist eine Birne.” und hob dabei den Apfel. „Dies ist ein Apfel.” und hob dabei die Birne. „Koste die Birne.” und der Dorfbewohner nahm den Apfel in die Hand und riss mit kräftigem Gebiss ein Stück heraus. „Heureka!” Entfuhr es dem Professor, dem es normalerweise nicht gebührte seine Gefühlswelt vor Mitgliedern eines niederen Standes offen zu legen. Er griff nun nach einer zweiten Apparatur, die neben den Früchten auf dem Tisch bereit gelegen hatte und setzte sie sich selbst auf. „Oh Igor, der du meiner Familie so lange dientest, endlich werden unsere Mühen entlohnt! Blicke auch du durch diese Brille, es ist  zwar mein Werk des Geistes, aber deines der Treue.” Der Diener aber nahm das Gerät aus den Händen des Professors entgegen und blickte hindurch. Als er seine Augen auf den Dorfbewohner richtete, umgab dessen Kopf ein deutlicher Schleier von roter Farbe. Linienförmig schien jenes Feld von einem Ohr zum anderen zu reichen. Erblickte er jedoch das Antlitz seines Meisters, so deutete sich dort lediglich ein sehr schwacher, nur bei genauester Betrachtung sichtbarer rosafarbener Schatten an. Der Professor hingegen deutete auf einen metallenen Eimer, der am Boden stand. „Dies Experiment gebührt dir, treuer Igor.” Und Igor setzte die Brille ab und griff beherzt in den Eimer, bevor er die Birne von seinem Meister empfing. Der Diener tat wie zuvor der Meister und erklärte dem Bauern: „Dies ist ein Apfel.” und hob die Birne. „Dies ist eine Birne.” und hob die Hinterlassenschaften seiner Stute, die er am Morgen in den Stallungen zusammengetragen hatte. Er sprach: „Koste von der Birne.” Und der Dorfbewohner nahm den Pferdeapfel und biss hinein, ohne dass seine Kiefer zurückschreckten, als seine Zunge  bereits verdaute Rüben umschmeichelte und sich Halme von Heu und Stroh zwischen seine Zähne schoben. Der Meister konnte ob des kotkauenden Anblicks nicht mehr an sich halten und hielt eine heroische Rede: „Wahrlich, Igor, das sollte selbst die engstirnigsten Kritiker überzeugen! Selbst jene, die das Potential nicht erkannten, welches den ägyptischen Schriften innewohnte, welche die Grundlage dieser Arbeit darstellten. Die Archäologen verzweifelten ob ihres Fundes, aber ich erkannte weshalb sie mit ihrer Weisheit an Grenzen stießen! Es handelte sich nicht etwa um neue Glyphen einer antiken Schrift, sondern um den Jahrtausende alten Bauplan einer überlegenen Technologie! Oh, Igor, heute ist ein Freudentag, denn eine längst vergessene Technologie kehrt auf diese unsere Erde zurück! Bedenke doch: Hiermit lässt sich Wahrheit schaffen! Handeltreibende werden ihren Einfluss fürchten und die Köpfe unzähliger Nationen werden nach der Maschine verlangen! Wir werden mit Wohlstand gesegnet und meine Familie kehrt zu altem Ruhm zurück! Erneut werden die Überlegenen Stände bestimmen was wahrhaftig ist und die Völker werden wieder folgen statt nach Selbstbestimmung zu streben!”

Igor entließ den Dorfbewohner aus der Obhut des Landsitzes und beschenkte ihn gemäß der Anweisung des Professors reichlich. Jener aber setzte Brief um Brief auf, um der Akademie seinen Erfolg zu präsentieren und erste Angebote für seine Apparatur einzuholen. Doch noch bevor er nach einem Boten schicken konnte, zogen die Bewohner des Dorfes, angestachelt von der Rede des Professors, welche der Proband sich ob der Maschinerie auf seinem Kopf Wort für Wort eingeprägt und schließlich in der Schenke wiederholt hatte, mit Fackeln und Heugabeln den Weg zum Anwesen des Professors hinauf. Alle vier Winde schienen für das Folgende an diesem Ort zusammengekommen zu sein, denn sie peitschten den Regen von einer in die andere Richtung. Das Unwetter aber schien bei seiner Reise nicht müde geworden zu sein und grollte über der Heimstädte des Professors, während die Dorfbewohner im Hofe einen Scheiterhaufen errichteten. Sie marodierten durch die Korridore und setzten das Anwesen in Brand, auf dass der Professor es aus freuen Stücken, mit seiner so hoffnungsvoll konstruierten Apparatur in den Händen, verließ. Wo man dem treuen Igor nichts weiter als Gleichgültigkeit entgegenbrachte, fesselte man den Wissenschaftler an ein Kreuz und stellte es in der Mitte des Scheiterhaufens auf. Bevor die Bauern ihr Feuer an den Reisig und die Buchenstämme weitergaben, krönten sie ihn noch mit seiner eigenen Maschine. Igor, der seinerseits die Brille aus dem Haus gerettet hatte, welche die Funktion des Gerätes sichtbar zu machen vermochte, weinte und kreischte ob des grausigen, aber nunmehr unvermeidbaren Schicksals, das seinen Meister ereilen würde. Dann aber zuckte ein greller Finger aus den Wolken in den Hof hinunter und durchschlug den Professor. Und alle Dorfbewohner, sowie ein treuer Diener fielen auf der Stelle in Ohnmacht.

Sobald die ersten Menschen am darauffolgenden Morgen wieder zu Bewusstsein kamen, wunderten sie sich ob des Aschehaufens und der Dorfversammlung im Hofe ihres Gutsherren, denn sie hatten jegliche Erinnerungen an die vorherige Nacht verloren. Igor aber befand die von ihm gerettete Brille zwar für interessant, konnte sich aber nicht an ihre Funktion erinnern. Als er sie schließlich aus Neugierde aufsetzte, erkannte er, dass alle Menschen auf dem Platz einen deutlichen roten Schleier um ihre Köpfe trugen. Selbst als Igor einige Jahre später eine neue Anstellung in London fand, setzte er die Brille ab und an auf, nur um aus dem Fenster seines Dienstbotenzimmers zu blicken und die roten Schleier auf den Köpfen von Reisenden aus aller Herrenländer zu betrachten.

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14. Juni 2012 von Lars
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Kommentare (4)

  1. Super Tonqualität (bisschen Pfeifen ab und zu im Hintergrund, aber was soll’s) und sehr angenehme Stimme hast du. Ich hab bei mir immer das Problem, dass man meine Mundgeräusche zu stark hört.

    Tipp von mir: Mach mal eine Tonspur, die nur Hintergrundrauschen enthält, und leg dieses Rauchen immer unter die Stellen, an denen du zwei Aufnahmen zusammen schneidest. Dann ist das nicht so abgehackt ;)

  2. P.S.: Mozart in 8-bit überzeugt mich nicht ganz. Aber vermutlich nur, weil ich Mozart dafür zu sehr mag :D

  3. Bei einer neueren Aufnahme (von etwas ganz anderem) habe ich versucht den Pegel weiter zu senken und stattdessen näher ans Mikrofon zu gehen. Dabei wird das Rauschen noch geringer. Ein Großteil davon wird durch meinen Lüfter am MacBook hervorgerufen, der hochdreht, sobald Garageband etwas länger läuft. Deinen Tipp werde ich demnächst mal testen. Die Schnitte sind echt eine Sache, die ich besser verstecken sollte. Die meiste Arbeit bei der Postproduction hat mir übrigens http://www.auphonic.com abgenommen. Wirklich ein klasse Dienst aus Österreich.

  4. Bei mir ist das Rauschen auch durch den Rechner (hab zudem ein Großmembranmikro, das nimmt natürlich alle Geräusche in 500km Umgebung auf^^). Aber wenn man den Trick anwendet kommen echt gute Ergebnisse raus.

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